Nachwuchssuche in Zeiten der Corona-Pandemie

Nachwuchssuche

Strategien und Umgangsformen

Der Fachkräftemangel ist heute auch in den Unternehmen der Bauindustrie angekommen. Ursachen sind zum einen der demographische Wandel: die Jahrgänge der sogenannten „Babyboomer“ gehen nach und nach in den Ruhestand. Zum anderen sind die nachfolgenden Generationen zahlenmäßig deutlich schwächer und können die entstandenen Lücken in den Betrieben nicht mehr schließen.

Darüber hinaus nimmt in den Jahrgängen der Anteil derjenigen zu, die den Weg des Abiturs und der akademischen Bildung wählen. Das führt zu einer weiteren Verschärfung der Mangelsituation in den Hand-werksberufen.

Die seit einem Jahr grassierende Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen aller Art, insbesondere von persönlichen Kontakten, erschweren die Besetzung von offenen Stellen für Fach- und Führungskräfte erheblich. Zum einen sind Veranstaltungen des Personalmarketings wie Bewerbermessen u. ä. weitgehend abgesagt worden bzw. finden online statt. Das führt dazu, dass die ungezwungene Kontaktaufnahme wesentlich erschwert wird. Zum anderen können auch Vorstellungsgespräche im Rahmen von Bewerbungsprozessen kaum persönlich stattfinden, sondern nur als Videokonferenz. Das Interview eines Bewerbers und das Erfassen seiner Persönlichkeit neben den reinen Sachinformationen ist auch über eine Videokonferenz möglich. Der Video-Weg kann aber den persönlichen Eindruck nie vollständig ersetzen. Nach Aufheben der pandemiebedingten Einschränkungen wird voraussichtlich mindestens die zweite Runde der Gespräche bzw. die Vertragsunterzeichnung wieder persönlich stattfinden.

Die Corona-Pandemie erschwert die Suche nach Fach- und Führungskräften noch in einem weiteren Punkt: Die Bereitschaft zu einem Stellenwechsel sinkt in der allgemeinen Krisenstimmung tendenziell ab. Auch wenn ein solcher Wechsel mit mehr Verantwortung und einem höheren Gehalt verbunden wäre, wird die Neigung, ihn auch tatsächlich zu vollziehen, geringer.

Offene Stellen müssen dennoch besetzt werden. Mit welchen Instrumenten kann ein Unternehmen auf dem Beschaffungsmarkt für qualifiziertes Personal wettbewerbsfähig bleiben? Im Fall der gewünschten Einstellung von Nachwuchskräften, also eher jüngeren Menschen, liegt eine bedeutsame Lösung im Online-Recruiting. Junge Menschen lesen in vielen Fällen keine Zeitungen mehr, so dass Printanzeigen weitgehend ergebnislos bleiben würden.

Junge Menschen müssen dort „abgeholt“ werden, wo sie sich aufhalten: Im Internet. Informationen über offene Stellen können zum einen in einschlägig bekannten Jobbörsen eingestellt werden. Das Angebot wird dort von Angestellten gefunden, die aktiv auf der Suche nach einer neuen beruflichen Aufgabe sind. Darüber hinaus können Arbeitgeber aber auch proaktiv Stellenanzeigen über die sozialen Medien streuen. Somit werden Benutzer erreicht, die nicht aktiv auf der Suche nach einem neuen Job sind, aber zur passenden Zielgruppe gehören. Über einen Link auf eine Landingpage der eigenen Karrierewebsite können interessierte Nutzer zumindest online in das eigene Unternehmen „gelockt“ werden. Auf diese Weise kann auch der sogenannte -passive Bewerbermarkt- ausgeleuchtet werden.

Da gerade junge Menschen das Internet zunehmend über mobile Endgeräte nutzen, sollten die Angebote entsprechend gestaltet sein. Ein Originalton, der den Autor dieser Zeilen vor kurzem erreichte, lautete: „Wir gewinnen unsere Pflegekräfte vor allem über Facebook.“

Neben der Information über Vakanzen sollte auch der Bewerbungsprozess vollständig online gestaltet werden. Beginnend mit der Entgegennahme der Bewerbungen über eine Datenbank. Die Speicherung der entsprechenden personenbezogenen Daten sowie die unternehmensinterne Steuerung des Entscheidungsprozesses werden so übersichtlicher. Auch die Abgabe von Statusmeldungen an die Bewerber, wie Empfangsbestätigung und Zusage bzw. Absageschreiben, laufen strukturiert und nachvollziehbar ab.

Die in vielen Unternehmen praktizierte Vorgehensweise, per E-Mail eingegangenen Bewerbungen als E-Mail an die Entscheider weiterzuleiten, ist nach der Datenschutzgrundverordnung nicht mehr zu empfehlen. In diesem Fall kann kaum noch der rechtlich erforderliche Überblick über alle Speicherorte aufrechterhalten werden. Auch die nach der DSGVO nach Ende des Bewerbungsverfahrens ggf. erforderliche vollständige Löschung der Daten ist in diesem Fall kaum noch möglich bzw. deutlich erschwert. Sinnvoll ist die Speicherung aller personenbezogenen Daten in einer Datenbank und die Steuerung des Entscheidungsprozesses über Zugriffsrechte für die Entscheider.

Zusammenfassend lassen sich die Vorteile des Online-Recruiting wie folgt formulieren:

– Gesteigerte Reichweite der Stellenangebote
– Steigerung der Qualität der Bewerbungen durch spezielle Suchfilter auf den Online-Plattformen
– Deutlich schnellerer Recruiting-Prozess, jederzeit Aktualisierung möglich
– Geringere Kosten als Printanzeigen
– Effizienter und datenschutzkonformer interner Prozess

Das Online-Recruiting ist natürlich auch mit Herausforderungen verbunden: Im Internet konkurrieren Arbeitgeber, zumindest bei qualifizierten Fach- und Führungskräften, nicht nur mit anderen Unternehmen aus der Region, sondern auch überregional. Außerdem finden sich im Internet viele Informationen zum eigenen Unternehmen, die nicht vom Unternehmen selbst kontrolliert werden können. Darunter können auch kritische Inhalte, wie beispielsweise Arbeitgeberbewertungen auf entsprechenden Websites aus der Sicht von Arbeitnehmern, oft auch ehemaligen Mitarbeitern, sein. Unternehmen sollten diese Veröffentlichungen kennen und ggf. – bei falschen Tatsachenbehauptungen oder strafrechtlich einschlägigen Inhalten – die Löschung verlangen. Bei reinen Meinungsäußerungen haben Unternehmen oft mindestens die Möglichkeit einer diesbezüglichen Stellungnahme und sollten diese Möglichkeit auch nutzen.

Sie haben noch Fragen?

Hier geht es zum Kontaktformular. Fragen Sie uns einfach.

Exklusiv für Mitglieder

Immer auf dem Laufenden

Der Newsletter der Bauakademie Ost versorgt Sie stets mit den neuesten Informationen zum Seminarangebot und hält spannende Einblicke in die Bauwirtschaft bereit.